Anfang 2024 hat sich Prof. Wolf für einen SNSF Starting Grant beworben, ein wichtiger Career Grant des SNSF für junge Nachwuchswissenschaftler. Ende 2024 wurde die Bewerbung akzeptiert. Beginn des Grants war August 2025. Über den Grant wird Prof. Wolfs Forschung für 4 Jahre finanziell unterstützt. Als Teil des Grants wird Prof. Wolfs Lehre um 50% reduziert. Dies mit dem Ziel, mindestens 50% der Gesamtarbeitszeit in den Grant zu investieren.
Die meisten aktuellen Projekte von Prof. Wolf sind damit Teil des SNSF Grants. Der Grant hat zum Thema «Debt, growth, and the macroeconomy: A unified perspective». Im Zuge des Grants werden Verschuldungsdynamiken in Industrienationen analysiert, und diese mit wirtschaftlichem Wachstum in Verbindung gesetzt. Beispielhaft werden drei aktuelle Papiere zum Thema näher skizziert.
Gemeinsam mit Luca Fornaro (CREI) untersuchen wir in diesem Forschungsprojekt die Wechselwirkung zwischen Wachstum einer Volkswirtschaft und deren Staatsverschuldung.
Höhere Staatsschulden gehen typischerweise mit höheren Steuern / geringeren Staatsausgaben einher, um die höhere Zinslast zu stemmen. Höhere Steuern wirken sich wiederum negativ auf Investitionen aus, was das Wachstum bremst. Umgekehrt führt weniger Wachstum zu höherer Staatsverschuldung, da das Wachstum der Steuereinnahmen gekoppelt ist an das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Staatsverschuldung und Wachstum bedingen sich also gegenseitig: höhere Schulden führen zu weniger Wachstum, was noch höhere Schulden nach sich zieht, damit noch weniger Wachstum, und so weiter.
In unserer Arbeit zeigt sich, dass aufgrund dieses selbstverstärkenden Mechanismus eine Volkswirtschaft gefangen sein kann in einem Zustand von geringem Wachstum und hohen Schulden. Umgekehrt existiert auch ein «gutes» Gleichgewicht, in welchem die Wirtschaft schnell wächst und die Staatsverschuldung gering ausfällt. Wir untersuchen insbesondere, durch welche Politiken ein Land im «schlechten» oder im «guten» Gleichgewicht landen kann, und wie ein Verlassen des schlechten Gleichgewichts möglich ist.
Gemeinsam mit Franziska Bender und Luca Fornaro (CREI) untersuchen wir in diesem neuen Forschungsprojekt, wie effektiv Finanzrepression eingesetzt werden kann um Staatsschulden zu reduzieren. Finanzrepression bedeutet, dass der Staat Privatakteure (so zum Beispiel Pensionsfonds) zwingt seine Anliehen zu halten (zum Beispiel über Regularien). Dies senkt die Zinsen auf Staatsanleihen, was die Schuldentragfähigkeit erhöht. Der Nachteil ist jedoch, dass die Zinsen auf andere Anlageklassen steigen, so zum Beispiel Anleihen von Firmen. Dies wiederum bedingt einen negativen Wachstumsimpuls. Historisch gesehen haben Industrienationen ihre Schulden oft vermittels Finanzrepression reduziert.
Aufbauend auf dem ökonomischen Modell von Fiscal Stagnation (siehe oben), untersuchen wir die Wohlfahrtauswirkungen von Finanzrepression, und wie / unter welchen Umständen eine solche Maßnahme wünschenswert ist. Unser Modell ist geeignet, den oben beschriebenen Trade-off von Finanzrepression abzubilden: geringere Zinsen auf Staatsschulden, was die Tragfähigkeit der Schulden erhöht, versus weniger Investitionen und weniger Wachstum.
Gemeinsam mit Leopold Zessner (TU Wien) entwickeln wir in diesem Projekt ein makroökonomisches Modell, um die Auswirkungen von „Financial Dominance“ besser zu verstehen.
Im Zuge der Covid-Krise sahen sich viele Zentralbanken einem Zielkonflikt gegenüber. Die Zinsen schnell erhöhen, um die Inflation einzufangen, könnte eine Schuldenkrise auslösen, da viele private Akteure (Firmen, Haushalte) sich in der vorangegangenen, sehr langanhaltenden Niedrigzinsphase stark verschuldet hatten. Die Alternative ist eine langsame Erhöhung der Zinsen, damit der Finanzmarkt die Zinserhöhung besser absorbieren kann. Dies führt allerdings zu erhöhter Inflation.
In einem Wachstumsmodell untersuchen wir einen negativen Angebotsschock in einem Umfeld starker Firmenverschuldung. Ein schneller Anstieg der Zinsen nach dem Schock löst im Modell eine Schuldenkrise aus, wobei die Investitionen der Firmen stark einbrechen. Unser Modell kann die sogenannte Financial Dominance also nachbilden.
Unser Hauptergebnis ist, dass Financial Dominance zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen kann. Wenn der Privatsektor erwartet, dass die Zentralbank die Zinsen nur langsam erhöht, werden sich Verschuldungsdynamiken im Privatsektor verstärken, was Financial Dominance erhöht. Weil die Zentralbank tatsächlich mit niedrigeren Zinsen reagiert, können sich die Erwartungen des Privatsektors als korrekt hausstellen.
Unter Financial Dominance hat die Zentralbank also zwei Probleme. Erstens kann sie die Zinsen nach einem Schock nur langsam erhöhen, was zu mehr Inflation führt. Zweitens werden sich selbsterfüllende Dynamiken möglich, was die Inflationskontrolle weiter verringert. Wir nutzen unser Modell, um über die Hochinflationsdynamiken in vielen Ländern im Zuge von Covid nachzudenken.